Kleines Legionellen-Brevier
Das Thema Legionellen ist aktueller denn je. Ein kleines Studium der
Tagespresse genügt, um auf immer mehr Fälle von akutem
Legionellenaufkommen aufmerksam zu werden. Im Rheinland sind es die
Duschen einer Sportanlage, in Berlin Duschen in einem Exklusiv-Hotel
..., die Reihe ließe sich mittlerweile recht beachtlich fortführen. Die
Schließung der Einrichtungen ist stets die Folge. Nicht erst die
Novellierung der Trinkwasserverordnung hat die warmwasserliebenden
Bakterien zum Thema gemacht. Aber sie hat dafür gesorgt, dass Betreiber,
Inhaber, Bauherren, Planer, Architekten und Installationsfachbetriebe
verstärkt auf die Einhaltung der Hygienevorschriften achten müssen.
Lesen Sie hier alles Wichtige zum Thema.
Wo kommen Legionellen vor?
Überall dort, wo für eine Vermehrung der Legionellen mikrobiologisch
ideale Bedingungen gegeben sind, z.B. in Wasser und im Abwasser. Damit
beispielsweise im Leitungssystem des Hauswassers, in ruhenden
Verrohrungen, in Whirlpools, in Klimaanlagen oder in Systemen mit
Wasserspeicher.
Man kann dabei die idealen Lebensbedingungen für Legionellen in drei Worten zusammenfassen: »Ruhe, Wärme und Nahrung«.
Was verursachen Legionellen?
In Deutschland gibt es schätzungsweise 30.000 Legionellosen pro Jahr. Es gibt zwei bekannte Krankheitsbilder:
- Legionella-Pneumonie (Legionellose, Legionärskrankheit); die
Inkubationszeit beträgt ca. 2–10 Tage. Kann im Einzelfall zum Tode
führen.
- Pontiac-Fieber; Inkubationszeit beträgt ca. 1–2 Tage. Ist medikamentös behandelbar.
Wer ist gefährdet?
Im Grunde genommen jeder Mensch! Fakt ist, dass ein Großteil der
Erkrankten ein Immundefizit hat. Dieses kann bereits gegeben sein
durch: Nikotin, Alkohol, chirugische Eingriffe, hohes Lebensalter,
chronische Krankheiten.
Auch Hochleistungssportler gehören zur Gruppe der hochgradig
gefährdeten Personen. Interessanterweise gelten Männer als gefährdeter.
Wie erfolgt eine Infektion durch Legionellen?
Eine Infektion
durch Legionellen erfolgt in der Regel durch Einatmen
von lungengängigen Aerosolen. Die Aerosole entstehen insbesondere beim
Duschen durch die Luftverwirbelungen im Wasser. Aber auch Klimaanlagen
mit sogenannten Luftwäschern oder Luftbefeuchter sowie
dentale Behandlungsgeräte können bei schlechter Wartung ein
Gefahrenpotential darstellen.
Bei abwehrgeschwächten Patienten soll eine Infektion nach medizinischen
Berichten bereits durch Trinken von legionellenhaltigem Wasser möglich
sein. Auch Infektion über offene Hautpartien bei Patienten mit
großflächigen Wunden werden derzeit medizinisch nicht ausgeschlossen.
Ausgeschlossen wird derzeit eine Übertragung von Mensch zu Mensch (Tröpfchen- oder Schmierinfektion).
Wie lassen sich Legionellen im Sanitärsystem feststellen?
Durch regelmäßige Untersuchungen nach Zeitplan entsprechend der
Einrichtung und der dafür zuständigen Richtlinien, Regelwerke und/oder
Verordnungen; durch Beauftragung eines zugelassenen
Prüfinstitutes/Probeentnahme/Analyse.
Welche technischen Regelwerke sind bei Legionellen anzuwenden?
Beispielsweise DVGW: Trinkwasserverordnung und die DIN 19643 »Aufbereitung von Schwimm- und Badebeckenwasser«
Welche Desinfektionsverfahren gibt es?
- Physikalische Abtötung oder thermische Behandlung;
- chemische Chlorung;
- Desinfektion mit H2O2;
- Filtration und Ultrafiltration;
- Desinfektion durch physikalische UV-Bestrahlung oder Ultraschall/UV-Behandlung;
- chemische Chlorung in Verbindung mit Elektrolyseverfahren.